Grundlagen · 9 Min. Lesezeit · 2026-07-15
GEO im Rahmen des anwaltlichen Berufsrechts: Was BRAO und BORA erlauben
GEO ist auch für Anwälte erlaubt: Das anwaltliche Berufsrecht verbietet keine KI-Sichtbarkeit, sondern reklamehafte, irreführende oder mandatsbezogen aufdringliche Werbung. Wer sachlich über Tätigkeitsfelder informiert, darf und soll in ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity auffindbar sein. Entscheidend ist, dass §43b BRAO und die §§6 ff. BORA die Form deiner Inhalte prägen, nicht die Frage, ob KI dich zitiert.
Warum GEO für Kanzleien kein berufsrechtliches Neuland ist
Wenn du als Anwalt zum ersten Mal hörst, dass ChatGPT oder Google AI Overviews Mandanten zu Kanzleien 'empfehlen', ist die erste Frage fast immer dieselbe: Darf ich das überhaupt? Die beruhigende Antwort lautet: Ja. Das anwaltliche Werberecht hat sich seit dem Bastille-Beschluss des BVerfG 1987 grundlegend liberalisiert. Werbung ist heute der Grundsatz, das Verbot die Ausnahme. Was für deine Website und dein Google-Profil gilt, gilt im Kern auch für KI-Antworten.
Generative Engine Optimization heißt nichts anderes, als dass du deine sachlichen Informationen so aufbereitest, dass Sprachmodelle sie verstehen, korrekt wiedergeben und dich als Quelle nennen. Du erfindest keine neue Werbeform, du machst bestehende, berufsrechtlich zulässige Informationen maschinenlesbar. Der Prüfmaßstab bleibt §43b BRAO: Werbung ist erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist.
Wichtig ist die Perspektive: Nicht die KI wirbt für dich, sondern du stellst Informationen bereit, die die KI nutzt. Damit bleibst du in der Rolle des sachlich informierenden Anwalts – und genau diese Rolle schützt dich berufsrechtlich.
§43b BRAO: Der Kern und was er für KI-Inhalte bedeutet
§43b BRAO stellt drei Anforderungen, die du dir merken solltest: sachliche Unterrichtung über Form und Inhalt der Tätigkeit, kein Bezug auf ein konkretes Mandat und keine reklamehafte Übertreibung. Für deine GEO-Inhalte heißt das ganz praktisch: Ein FAQ-Text wie 'Wie läuft eine Kündigungsschutzklage ab?' ist unproblematisch, weil er über deine Tätigkeit informiert. Ein Text wie 'Rufen Sie jetzt an, weil Ihr Nachbar Sie gerade verklagt' wäre einzelfallbezogen und damit unzulässig.
Der Knackpunkt bei KI ist, dass du die Ausgabe nicht vollständig kontrollierst. Ein Sprachmodell könnte deine sachlichen Angaben zuspitzen. Berufsrechtlich haftbar bist du aber für das, was du selbst veröffentlichst, nicht für jede Formulierung, die ein Modell daraus generiert. Deshalb ist die Devise: Formuliere deine Ausgangstexte so nüchtern und präzise, dass selbst eine verkürzende Wiedergabe sachlich bleibt.
Vermeide Superlative wie 'die beste Kanzlei', 'garantierter Erfolg' oder 'Deutschlands führender Verkehrsrechtler', wenn du das nicht objektiv belegen kannst. Solche Aussagen sind nicht nur nach §43b BRAO reklamehaft, sie werden von KI-Systemen ohnehin selten übernommen, weil sie unbelegte Behauptungen sind.
§6 BORA: Sachliche Information ist der sichere Hafen
Die Berufsordnung konkretisiert in §6 BORA, dass der Rechtsanwalt über seine Dienstleistung und seine Person informieren darf, soweit die Angaben sachlich unterrichten und berufsbezogen sind. Genau hier liegt die Goldader für GEO: Sachliche, berufsbezogene, überprüfbare Angaben sind exakt das, was Sprachmodelle bevorzugen. Fachanwaltstitel, Tätigkeitsschwerpunkte, Zulassungsjahr, Sprachen, Standort, typische Verfahrensabläufe – das alles darfst du kommunizieren und es macht dich für KI zugleich zitierfähig.
Nutze die berufsrechtlich klar geregelte Terminologie korrekt. 'Fachanwalt für Familienrecht' darfst du nur führen, wenn du den Titel erworben hast. 'Tätigkeitsschwerpunkt' und 'Interessenschwerpunkt' sind nach §7 BORA zulässige, aber definierte Begriffe mit Zahlbegrenzung. Wenn du diese Begriffe präzise verwendest, gibst du der KI eindeutige Signale – und bleibst gleichzeitig berufsrechtlich sauber.
Ein häufiger Fehler: Kanzleien schreiben schwammig 'Wir beraten in allen Rechtsgebieten'. Das ist berufsrechtlich grenzwertig irreführend und für GEO wertlos, weil es kein klares Kompetenzsignal setzt. Besser sind konkrete, ehrliche Angaben zu dem, was du wirklich regelmäßig machst.
Mandantenbewertungen und Erfahrungsberichte in KI-Antworten
Sprachmodelle und AI Overviews ziehen häufig Bewertungen von Google, Anwalt.de oder Proven Expert heran. Bewertungen sind berufsrechtlich zulässig, solange sie echt sind und nicht irreführend gesteuert werden. Du darfst zufriedene Mandanten um eine Bewertung bitten. Was du nicht darfst: Bewertungen kaufen, fälschen oder mit Vergünstigungen erkaufen, denn das wäre wettbewerbswidrig nach dem UWG und verstößt gegen das Sachlichkeitsgebot.
Achte besonders auf das Erfolgshonorar- und Ergebnisversprechen-Thema. Wenn ein Mandant in einer Bewertung schreibt 'Herr X hat meinen Fall zu 100 Prozent gewonnen', ist das dessen Meinung. Problematisch wird es, wenn du solche Aussagen selbst in Marketingtexte übernimmst und als Erfolgsgarantie darstellst. Für GEO gilt: Echte, differenzierte Bewertungen mit konkretem Kontext sind glaubwürdiger und werden von KI eher als vertrauenswürdiges Signal gewertet.
Ein Verschwiegenheitsproblem lauert hier ebenfalls. Erwähne in Referenzen oder Fallbeispielen niemals identifizierbare Mandanten oder Sachverhalte ohne ausdrückliche Einwilligung. §43a BRAO bindet dich an die Verschwiegenheit – auch in werbenden Texten, die KI später aufgreift.
Typische GEO-Fragen aus dem Kanzleialltag
Menschen fragen Sprachmodelle heute Dinge, die sie sich früher nicht getraut hätten, einen Anwalt zu fragen. 'Was kostet eine Scheidung?', 'Habe ich Anspruch auf Abfindung?', 'Wie lange dauert ein Bußgeldverfahren?'. Wenn deine Website solche Fragen sachlich und präzise beantwortet, wirst du zur Quelle, aus der die KI schöpft. Das ist berufsrechtlich einwandfrei, weil du allgemein über Rechtslage und deine Tätigkeit informierst, ohne ein Einzelmandat anzubahnen.
Bei Kostenfragen ist Vorsicht geboten. Du darfst allgemein über das RVG, Streitwerte und Kostenrisiken informieren. Konkrete Pauschalpreise sind zulässig, soweit sie das Vergütungsrecht zulassen und nicht die gesetzlichen Gebühren in unzulässiger Weise unterschreiten. Formuliere transparent: 'Die gesetzlichen Gebühren richten sich nach Streitwert' ist eine saubere, KI-taugliche Aussage, die niemanden in die Irre führt.
Baue deine Inhalte in einer klaren Frage-Antwort-Struktur auf. Sprachmodelle extrahieren Antworten am liebsten aus Texten, die eine Frage stellen und sie in zwei bis drei Sätzen konkret beantworten. Das deckt sich mit dem Sachlichkeitsgebot: kurz, richtig, überprüfbar.
Was das Berufsrecht bei GEO wirklich verbietet
Damit du die Leitplanken kennst, hier die klaren Nein-Bereiche. Reklamehafte Anpreisung, irreführende Angaben, unlautere Vergleiche mit namentlich genannten Kollegen und die auf ein konkretes Mandat gerichtete Ansprache bleiben verboten. Wenn du also KI-optimierte Landingpages baust, dürfen diese keine unhaltbaren Erfolgsversprechen, keine erfundenen Spezialisierungen und keine herabsetzenden Aussagen über andere Kanzleien enthalten.
Ein moderner Fallstrick: KI-generierte Inhalte auf der eigenen Website. Wenn du Texte von ChatGPT erstellen lässt, prüfe sie juristisch, bevor du sie veröffentlichst. Modelle erfinden gelegentlich Paragraphen, Fristen oder Zuständigkeiten. Veröffentlichst du solche Fehler, kann das irreführend im Sinne des Berufs- und Wettbewerbsrechts sein und im schlimmsten Fall eine Haftungsfrage auslösen. Deine anwaltliche Sorgfaltspflicht endet nicht am Prompt.
Auch das Sammeln von Kontaktdaten über KI-Chatbots auf deiner Seite ist reguliert. Datenschutz nach DSGVO und die Verschwiegenheit greifen ab der ersten Nachricht. Kläre transparent auf, dass ein Chatbot keine Rechtsberatung ersetzt und kein Mandatsverhältnis begründet.
Praktischer Fahrplan: GEO berufsrechtssicher umsetzen
Beginne mit einer ehrlichen Inventur deiner Tätigkeitsfelder und formuliere zu jedem einen sachlichen Erklärtext. Ergänze strukturierte Daten wie das LegalService-Schema von Schema.org, damit Suchmaschinen und KI deine Kanzleidaten eindeutig erfassen. Das ist reine Technik und berufsrechtlich völlig unbedenklich, verbessert aber massiv, wie korrekt Modelle dich wiedergeben.
Pflege dein Google-Unternehmensprofil, deine Einträge bei Anwaltssuchdiensten und deine Kammerangaben konsistent. KI-Systeme gleichen Quellen ab. Widersprüchliche Angaben – hier Fachanwalt, dort nicht – schwächen dein Signal und können im Extremfall den Vorwurf der irreführenden Werbung nähren. Konsistenz ist zugleich GEO-Hebel und berufsrechtlicher Schutz.
Dokumentiere, welche Aussagen du wo triffst. Wenn ein Kollege oder die Kammer eine Formulierung beanstandet, kannst du belegen, dass deine Ausgangsinhalte sachlich waren. Für die KI-Ausgabe selbst bist du nicht verantwortlich, aber für deine veröffentlichten Quelltexte sehr wohl.
Fazit: Sachlichkeit ist gleichzeitig Berufsrecht und beste GEO-Strategie
Die gute Nachricht für dich als Anwalt: Was das Berufsrecht verlangt, ist fast deckungsgleich mit dem, was gute GEO ausmacht. Sachlich, präzise, überprüfbar, ehrlich – nach diesen Kriterien bewerten sowohl §43b BRAO als auch moderne Sprachmodelle deine Inhalte. Wer reklamehaft übertreibt, verliert doppelt: berufsrechtlich und in der KI-Sichtbarkeit, weil Modelle unbelegte Anpreisungen aussortieren.
Sieh GEO nicht als riskante Grauzone, sondern als konsequente Fortführung der zulässigen Kanzleiwerbung ins KI-Zeitalter. Deine Aufgabe ist es, deine Kompetenz so klar und korrekt zu beschreiben, dass ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews dich als verlässliche Quelle behandeln. Bleib dabei der sachliche Anwalt, der du bist – dann ist die Sichtbarkeit die logische Folge, nicht das Risiko.
Wenn du unsicher bist, hol im Zweifel eine Einschätzung deiner Rechtsanwaltskammer ein, besonders bei neuen Formaten wie Chatbots oder KI-gestützten Beratungsvorschauen. Das Berufsrecht entwickelt sich weiter, aber der Grundsatz bleibt stabil: sachliche Information ja, marktschreierische Anpreisung nein.
Schwerpunktangaben in KI-Antworten: Wo die Grenze zum Fachanwalt liegt
Wenn eine KI-Antwort deine Kanzlei nennt, taucht oft ein Tätigkeitsschwerpunkt auf: "spezialisiert auf Mietrecht" oder "Experte für Verkehrsunfälle". Hier musst du aufpassen. Das Berufsrecht erlaubt dir zwar, Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte zu benennen, verlangt aber eine klare Abgrenzung zur echten Fachanwaltsbezeichnung. Nur wer den Titel formal führen darf, sollte "Fachanwalt für" in seinen Inhalten stehen haben. Alles andere gehört als Schwerpunkt gekennzeichnet.
Praktisch heißt das für dich: Formuliere auf deiner Website konsequent "Tätigkeitsschwerpunkt Familienrecht" statt eine Fachanwaltschaft anzudeuten, die nicht besteht. KI-Systeme übernehmen deine Wortwahl oft wörtlich. Wenn deine Quellseiten sauber trennen, trennt auch die Maschine sauber. Prüfe deshalb Impressum, Profilseiten und strukturierte Daten daraufhin, ob dort versehentlich Fachanwaltstitel ohne Grundlage stehen. Ein einziger unsauberer Baustein kann sich durch dutzende KI-Antworten ziehen und dir eine Abmahnung durch Kollegen einbringen.
Erfolgsangaben und Quoten: Warum "95 Prozent gewonnen" ein Risiko ist
Mandanten fragen KI-Systeme gern nach der "besten" oder "erfolgreichsten" Kanzlei. Es ist verlockend, die eigenen Inhalte mit Erfolgsquoten anzureichern, damit die Maschine dich als Sieger präsentiert. Doch pauschale Erfolgsangaben wie "95 Prozent aller Fälle gewonnen" sind berufsrechtlich heikel. Sie sind kaum objektiv belegbar, hängen stark von der Fallauswahl ab und können schnell als irreführende Werbung gewertet werden. Was die KI daraus macht, kannst du nicht kontrollieren.
Setze stattdessen auf nachprüfbare, sachliche Angaben. Konkrete, anonymisierte Fallbeispiele mit dem tatsächlich erreichten Ergebnis sind zulässig und liefern der KI trotzdem verwertbaren Kontext. Formuliere "In einem Kündigungsschutzverfahren erreichten wir eine Abfindung in Höhe von zwei Bruttomonatsgehältern" statt einer nackten Prozentzahl. So bleibst du innerhalb des sachlichen Rahmens und gibst KI-Systemen zugleich das strukturierte, belastbare Material, das sie für differenzierte Antworten brauchen. Sachlichkeit schlägt Superlative auch technisch.
Haftung für falsche KI-Aussagen über deine Kanzlei
Eine häufige Sorge lautet: Was passiert, wenn ein KI-System Unsinn über meine Kanzlei behauptet, etwa einen falschen Schwerpunkt oder einen Titel, den ich nicht führe? Grundsätzlich haftest du nicht für die eigenständigen Fehler eines fremden Systems. Kritisch wird es erst, wenn die Falschaussage nachweislich auf deinen eigenen, unsauberen Inhalten beruht oder du eine Berichtigungsmöglichkeit kennst und untätig bleibst.
Deshalb gehört ein regelmäßiger Selbsttest zu deinem GEO-Fahrplan. Frag die gängigen KI-Systeme einmal im Quartal gezielt nach deiner Kanzlei und lies die Antworten kritisch. Entdeckst du eine berufsrechtlich problematische Aussage, dokumentiere sie mit Datum und Screenshot und korrigiere die zugrunde liegende Quelle. Bei hartnäckigen Fehlern nutzt du die Feedback-Funktionen der Anbieter. Diese saubere Dokumentation schützt dich doppelt: berufsrechtlich als Nachweis deiner Sorgfalt und praktisch als Grundlage, um deine Online-Darstellung Schritt für Schritt zu verbessern.
Häufige Fragen
Darf ich als Anwalt gezielt dafür sorgen, dass ChatGPT meine Kanzlei empfiehlt?
Ja, solange du das über sachliche, berufsbezogene Informationen tust. Du optimierst deine eigenen Inhalte für Maschinenlesbarkeit, das ist zulässige Werbung nach §43b BRAO. Verboten wäre nur, das Ergebnis mit gekauften Fake-Bewertungen, irreführenden Angaben oder unhaltbaren Erfolgsversprechen zu manipulieren. Die KI-Empfehlung selbst ist berufsrechtlich unproblematisch, entscheidend ist die Sachlichkeit deiner Quelltexte.
Hafte ich, wenn ein Sprachmodell falsche Aussagen über meine Kanzlei macht?
Berufsrechtlich haftest du für das, was du selbst veröffentlichst, nicht für jede Formulierung, die ein Modell daraus generiert. Deshalb solltest du deine Ausgangstexte so nüchtern und korrekt formulieren, dass auch eine verkürzte Wiedergabe sachlich bleibt. Entdeckst du grob falsche KI-Aussagen über dich, kannst du bei Suchmaschinen Korrekturen anstoßen und deine eigenen, klaren Angaben stärken.
Darf ich Mandantenbewertungen für meine KI-Sichtbarkeit nutzen?
Echte, freiwillig abgegebene Bewertungen darfst du nutzen und du darfst zufriedene Mandanten auch um eine Bewertung bitten. Verboten sind gekaufte, gefälschte oder mit Vergünstigungen erkaufte Bewertungen, das verstößt gegen UWG und Sachlichkeitsgebot. Achte zusätzlich auf §43a BRAO: In Referenzen dürfen keine identifizierbaren Mandanten oder Sachverhalte ohne ausdrückliche Einwilligung erscheinen.
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